Herzlich Willkommen beim Schiedsamt der Stadt Dülmen für den Amtsgerichtsbezirk Dülmen

Presseartikel zum Schiedsamt DZ  Januar 2017

Bürgermeisterin Lisa Stremlau (li.), Erste Beigeordnete Christa Krollzig (re.), Marc Würfel-Elberg vom Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. (5. v. re.) sowie Vera Lütke-Volksbeck (2.v.li.) und Bernd Kerkhoff (3.v.li.) vom städtischen Fachbereich Bürgerdienste, Sicherheit und Ordnung bedankten sich bei den neuen und alten Schiedsmännern für ihr Engagement (v. li.): Andreas Bier, Thomas Springeneer, Hendrik Clodius, Karl-Heinz Espeter, Claus Joachimczak und Günter David. Nicht auf dem Bild: Erhard Alex.

Dülmen. Der Kirschbaum des Nachbarn wächst mal wieder über den Gartenzaun, ein vermeintlich guter Bekannter zahlt einen geliehenen Geldbetrag nicht zurück oder der Exmann der Freundin wird plötzlich handgreiflich? Fälle wie diese müssen in Deutschland nicht vor Gericht landen, denn in den Kommunen gibt es ehrenamtliche Schiedsleute, die sich um Streitigkeiten dieser Art kümmern. „Schlichten statt Richten“ und „Vertragen statt Klagen“ lautet ihre Devise. Bei einer Feierstunde im Rathaus konnte Bürgermeisterin Lisa Stremlau am Montag, 20. Juni, drei neue Schiedsleute für Dülmen begrüßen und drei Ehrenamtliche aus ihrem Amt verabschieden.

 

Ganze 30 Jahre war Karl-Heinz Espeter als Schiedsmann in Dülmen aktiv. Von 1986 bis 2011 war er zunächst Stellvertreter und anschließend Schiedsmann im Bezirk 2, der die Dülmener Ortsteile umfasst. 2008 hatte er sich zudem zum Mediator weitergebildet. Ebenfalls verabschiedet wurden Erhard Alex und Thomas Springeneer, die jeweils fünf Jahre lang als stellvertretende Schiedsleute tätig waren. Claus Joachimczak, der seit 2011 als Schiedsmann für den Bezirk 1 (Dülmen Mitte) zuständig ist, wurde vom Amtsgericht  für weitere fünf Jahre vereidigt. Er bekommt künftig Unterstützung von seinem neuen Stellvertreter Andreas Bier. Hendrik Clodius hat das Amt des Schiedsmanns für den Bezirk 2 übernommen, sein Stellvertreter ist Günter David.

 

 

Für seine 30-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Schiedsmann bedankte sich Bürgermeisterin Lisa Stremlau bei Karl-Heinz Espeter. Fotos: Stadt Dülmen/Kannacher

„Ein guter Schiedsmann benötigt vor allem Lebenserfahrung und ein Gespür für Menschen“, betonte Bürgermeisterin Lisa Stremlau in ihrer Rede. Auch die Fähigkeiten, gut zuzuhören und Kompromisse zu finden, seien unabdingbar, so Stremlau. „Unser Gemeinwesen würde nicht funktionieren, wenn es nicht Menschen wie Sie gäbe, die bereit sind, diese wichtige Aufgabe ehrenamtlich zu übernehmen.“ Den ausgeschiedenen Schiedsleuten sprach sie, auch im Namen von Rat und Verwaltung der Stadt Dülmen, ihren ganz besonderen Dank aus und überreichte ihnen ein kleines Präsent zum Abschied. Ihren Nachfolgern wünschte sie ein „glückliches Händchen“ für ihre Arbeit.

 

„Viele Menschen wissen gar nicht, dass es Schiedsleute gibt und dass man sich an sie wenden kann, um nervenaufreibende, teure und langwierige Gerichtsverfahren zu vermeiden“, erklärte Marc Würfel-Elberg, Vorsitzender der Bezirksvereinigung Münster des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, nach Dülmen zu kommen, um Karl-Heinz Espeter, Thomas Springeneer und Erhard Alex mit einer Dankurkunde aus dem Amt zu verabschieden. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Schiedsmann berichtete Karl-Heinz Espeter. „Es ist einfach ein tolles Erlebnis, wenn eine Einigung gelingt und man zwei Menschen wieder zusammen bringen kann, die vorher völlig zerstritten waren.“

 

Während bei bestimmten straf- und zivilrechtlichen Angelegenheiten vor einer möglichen Gerichtsverhandlung zunächst ein Schlichtungsversuch unternommen werden muss, können Bürgerinnen und Bürger in anderen Fällen auch von sich aus den jeweils zuständigen Schiedsmann ansprechen, den Sachverhalt schildern und einen Antrag auf Schlichtung stellen. Welcher Schiedsmann zuständig ist, hängt von der Anschrift der Gegenpartei ab.

 

Die Idee, Streitigkeiten durch Schlichtung beizulegen, ohne sogleich einen Richter zu bemühen, ist modern und hat dennoch Tradition. Die Institution der vorgerichtlichen Streitschlichtung durch Schiedsmänner und Schiedsfrauen wird am 13. Oktober 2012 schon 185 Jahre alt.

 

Bereits 1827 wurde das Schiedsmannswesen, beschränkt auf zivilrechtliche Streitigkeiten,  zunächst für die Provinz Preußen eingeführt. Streitigkeiten wegen Geldforderungen konnten nun dort durch Schiedsmänner geschlichtet werden.

Da die Schiedsmänner in der Schlichtung sehr erfolgreich waren, hat sich das System der vorgerichtlichen Streitschlichtung durch Schiedsmänner und seit 1926 auch durch Schiedsfrauen bis auf den heutigen Tag erhalten.

 

Bürgerinnen und Bürger können die für den Streit zuständige Schiedsperson sowohl hinsichtlich deren sachlicher als auch deren örtlicher Zuständigkeit über das Internet erfahren und sich umfassend über die mediative Streitschlichtung in den Schiedsämtern und Schiedsstellen informieren. Den Weg zur richtigen Schlichtungsstelle finden Sie hier. .

 

Für die Stadt Dülmen wurde die oben beschriebene Geschichte am  28.04.2016 fortgeschrieben. An diesem Tage wurden durch die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Dülmen, mit einer Amtszeit von fünf Jahren, für den Schiedsamtsbezirk I (Bezirk Dülmen-Mitte) als Schiedsperson Herr Claus Joachimczak, sowie als dessen Stellvertreter Herr Andreas gewählt. Für den Schiedsamtsbezirk II (Bezirk Buldern, Hausdülmen, Hiddingsel, Kirchspiel, Merfeld, Rorup) fiel die Wahl auf Herr Hendrik Clodius als Schiedsperson  sowie auf Herr Günter David, als dessen Stellvertreter. Die Vereidigung aller Schiedspersonen/Stellvertreter erfolgte einige Tage nach der Wahl durch den Direktor des Amtsgerichts Dülmen.